Geschichtsverein Dillenburg e.V.
Nassauische Grenzsäule
Historische Grenzsäule des Herzogtums Nassau schmückt wieder den Schlossberg.
Seit 1913 steht die Historische Grenzsäule aus Lahnmarmor auf dem Dillenburger Schlossberg in unmittelbarer Nähe des Wilhelmsturmes. Sie ist aus dem sogenannten Lahnmarmor (früher auch Nassauer Marmor) gefertigt. Lahnmarmor ist im eigentlichen Sinne kein Marmor, sondern ein Kalkstein (Riffkalk), der im Mitteldevon vor ca. 400 Millionen Jahren entstand. Als Marmor wird er bezeichnet, da er sich wie Marmor schleifen und polieren lässt. Die fast 200 Jahre alte Säule hatte in den letzten Jahren stark gelitten, da sie ungeschützt über mehrere Winter der Witterung ausgesetzt war. Im Laufe der Zeit waren etliche vergebliche (unsachgemäße) Reparaturversuche mit Zementmörtel vorgenommen worden. Stücke waren herausgebrochen und die Säule drohte durch Frostsprengung auseinanderzubrechen. Damit dies nicht geschieht, hat der Vorstand des Dillenburger Geschichtsverein beschlossen, die Säule auf Kosten des Vereins sanieren zu lassen. Nun hat die Fa. Bellroth aus Villmar, die sich auf die Sanierung von Lahnmarmor spezialisiert hat, eine fachmännische Instandsetzung durchgeführt. Anfang Oktober wurde das 1,7 Tonnen schwere Monument behutsam auf einem neuen Sockel aufgestellt (Komplettgewicht ca. 2,5t). Nach der Schlussrechnung, die auch die Wiederaufstellung beinhaltete, kam dann doch ein fünfstelliger Betrag zusammen. Das neu benötigte Fundament wurde durch den Museumsverein finanziert. Die Säule strahlt nun wieder im frischen Glanz und zusätzlich wurde das Wappen des Herzogtums koloriert. In der kurzen Zeit seit der Wiederaufstellung hat sie schon viele bewundernde Blicke auf sich gezogen.
Zur Geschichte der Säule
Das kleine Herzogtum Nassau entstand 1806 als Staat des Rheinbunds unter dem Protektorat Napoleons aus den Fürstentümern Nassau-Usingen und Nassau-Weilburg, Nach dem Wiener Kongress erhielt es seine endgültige Gestalt und Legitimierung. 1816 kam die Niedergrafschaft Katzenelnbogen dazu und es entstand ein ca. 4.700 qkm großer Staat zwischen Rhein, Main, Sieg und der oberen Lahn mit Wiesbaden als Regierungssitz. Das kleine Herzogtum hatte 1806 ca. 303.000 Einwohner uns wuchs bis 1865 auf 465.00 Einwohner. 1815 wurde das Zoll- und Abgabewesen des Herzogtums reformiert und es wurde beschlossen, Zollstationen einzurichten und diese repräsentativ zu markieren. Es sollten an dem Eingang der Landesstraßen zu dem Herzogtum nach dem Muster anderer Staaten Grenzstöcke in Stein, mit dem Herzogl. Haußwappen versehen, aufgestellt werden. Die Landesregierung wurde durch das Herzogliche Hohe Staatsministerium am 30. August 1822 beauftragt, ein einheitlich zu gestaltendes Hoheitszeichen entwerfen zu lassen. Der Bauinspektor Karl Friedrich Faber (* 24.03.1792 Dillenburg, † 11.08.1856 Wiesbaden) fertigte insgesamt vier Entwürfe nach den gegebenen Vorgaben an. Der gewählte Entwurf bestand aus fünf Einzelteilen: Unterer Sockel 75 x 75 x 75 cm, oberer Sockel 60 x 60 x 60 cm, Schaft 190-200 cm hoch, 55 cm Durchmesser. Kapitell 2 Platten mit 55 und 60 cm Durchmesser, je 18 cm hoch. Die Gesamthöhe ergab so ca. 360 cm. Das herzogliche Wappen sollte, damit es nicht betastet und beschädigt werden konnte, erst in ca. 2,33 m Höhe angebracht werden. Als Material für die Säulen wollte man unbedingt einen einheimischen Stein verwenden und so fiel die Wahl zwangsläufig auf den anstehenden Lahnmarmor. Das Material stammte aus dem Steinbruch Wieshohl bei Villmar, das sich allerdings als ein anspruchsvoller Stein erwies, da er viele Einschlüsse, Sandklüfte aufwies und auch zu muschelartigem Bruch neigte. Für die Anfertigung der Säulen wurde das Zuchthaus Diez ausgewählt, dass aufgrund der niedrigen Lohnkosten konkurrenzlos billig fertigen konnte. Die Marmorfabrikation war eine der Hauptfinanzierungsquellen der Anstalt und sie hatte eine marktbeherrschende Stellung im Lahnmarmorgewerbe. Die einheimischen freien Steinmetze litten sehr unter den ungleichen Bedingungen und konnten sich auch mit niedrigsten Angeboten nicht durchsetzen. Trotz der niedrigen Fertigungskosten gab es zwischen Auftraggeber und dem ausführenden Zuchthaus immer wieder Auseinandersetzungen über die Kosten unter der auch die mit Transport und Aufstellung der Säulen beschäftigten Unternehmen einbezogen wurden. Der ungefähre Gesamtpreis für eine einzelne Säule belief sich schließlich auf 1.656 Gulden, darin waren auch Transport- und Aufstellungskosten enthalten. Letztendlich wurden insgesamt zehn Säulen angefertigt und aufgestellt (jeweils fünf in 1825 und in 1827). Von den 28 Ämtern des Herzogtums wiesen 16 Grenzen zu benachbarten Staaten auf, so, dass die Ämter Königstein, Eltville, Rüdesheim, Goarshausen, Selters und das exterritoriale Amt Reichelsheim nicht berücksichtigt wurden.
Aufstellungsorte 1825
1. im Amte Herborn an der Chaussee auf der Landesgrenze ohnweit des Sinner Hofs,
2. im Amte Hochheim an der Frankfurter Chaussee auf der Landesgrenze nach Castel hin,
3. im Amte Montabaur an der Coblenzer Chaussee auf der Landesgrenze bey Neuhäusel,
4. im Amte Usingen an der Homburger Chaussee auf der Landesgrenze ohnweit des Klosters Thron,
5. im Amte Weilburg an der Braunfelser Chaussee auf der Landesgrenze nach Braunfels hin.
Aufstellungsorte 1827
6. im Amte Höchst auf der Grenze gegen das Gebiet der Stadt Frankfurt zwischen Nied und der Gallenwarte,
7. im Amte Marienberg auf der Grenze gegen das Königlich Preußische Gebiet zwischen Neukirch und Burbach,
8. im Amte Dillenburg auf der Grenze gegen das Königlich Preußische Gebiet zwischen Kalteich und Wilnsdorf,
9. im Amte Hachenburg auf der Grenze gegen das Königlich Preußische Gebiet, da wo die Heerstraße zwischen Borod und Berod aus dem Herzogthum austritt,
10. im Amte Braubach zwischen Niederlahnstein und Horchheim, wo die diesseitige Grenze ganz nah bei Horchheim hergeht.
Die Säule des Amtes Dillenburg wurde am 20. August 1827 am genannten Ort aufgestellt. Der gewählte Aufstellungsort war unproblematisch, da die Grenze zwei Jahre zuvor begangen worden war und die Zuständigkeiten für die Erhaltung der Chaussee zwischen Preußen und Nassau geklärt waren. Bei den Aufstellungsorten anderer Säulen gab es oft Probleme wegen unklarer Grenzverläufe.
Nach dem im Jahr 1866 das Herzogtum Nassau im Deutsch-Deutschen Krieg auf der Seite Österreichs den Krieg gegen Preußen und seine Verbündeten verloren hatte und folglich vom Königreich Preußen annektiert wurde, wurden auch die Grenzsäulen überflüssig. Die neue königliche Regierung forderte also, die Grenzsäulen abzubauen und bis auf weiteres aufzubewahren. Dieser Forderung wurde auch recht schnell gefolgt. Die Säule des Amtes Dillenburg wurde im Oktober 1866 im Rathaus von Haiger eingelagert. Sechs Jahre später wurde verfügt, die Säule zu versteigern. Nach der ersten erfolglosen Auktion im Februar 1872 wurde die Säule am 10. Mai an den Kaufmann und Mühlenbesitzer August Gail für nur 1 Taler 15 Silbergroschen versteigert. In dessen Garten am Laufenden Stein bei der Dampfmühle stand sie bis zum 26. März 1913 und wurde dann wegen Bauarbeiten an den bekannten Platz am Wilhelmsturm versetzt. Von den zehn gefertigten Säulen ist die Hachenburger Säule abgebaut, die Säule des Amtes Marienberg ist Teil eines Brunnens auf dem Hofgut Dapprich und die Usinger Säulr steht auf dem Landgrafenplatz in Friedrichsdorf und trägt eine Büste des Landgrafen Friedrich II. Die anderen Säulen sind weitgehend komplett und zum Teil gut restauriert.
Verwendete Quellen:
EISENBACH, ULRICH: Zuchthäuser, Armenanstalten und Waisenhäuser in Nassau; Wiesbaden (1994)
FLICK, HEINER: Lahn-Dill-Gebiet, Wiebelsheim (2010)
RENKHOFF, OTTO: Nassauische Biographie, Wiesbaden (1992)
SCHWENZER, PETRA, HELGA REUCKER und THOMAS KIRNBAUER: Die Marmorgrenzsäulen des Herzogtums Nassau. In: Nassauische Annalen 113 (2002), S. 341-394.
SCHÜLER, WINFRIED: Das Herzogtum Nassau 1806 – 1866, Wiesbaden (2006)














